Stefan Dreizehnter
22.01.2026
2006 – 2026
Im Jahr 2006 – also vor zwanzig Jahren, erhielt die deutsche Automatenwirtschaft eine neue Spielverordnung. Deren Vorgänger stammte in seinen Grundzügen und technischen Prämissen von 1953 und war natürlich hoffnungslos veraltet. Das war so ähnlich, als hätte die Branche noch mit den alten schwarzen Wählscheibentelefonen telefonieren müssen, während der Rest der Welt mit den damals weit verbreiteten Nokia-Handys telefonierte. Das iPhone kam erst zwei Jahre später.
Der Druck für eine neue Spielverordnung war groß. Zug um Zug hatten sich illegale „Fun Games” auf dem Markt verbreitet und waren dabei, das Kommando zu übernehmen. Ohne Jugend- und Spielerschutz. Ohne Steuerzahlung. Die alten Walzen- und Scheibengeräte mit ihrem 15-Sekunden-Spiel waren einfach nicht mehr nachfragegerecht.
Auf diese Situation reagierten die Wirtschaftsminister der Bundesländer. Auch damals eigentlich zu spät, aber immerhin. Sie setzten einen politischen Prozess in Gang mit dem Ziel, das legale, gewerbliche Automatenspiel so auszustatten, dass es den illegalen Spielangeboten und dem Spiel im Internet (schon damals!) Paroli bieten konnte. Mit anderen Worten: Das Spiel sollte nachfragerecht werden.
Vor diesem Hintergrund wurde die neue Spielverordnung konzipiert. Wichtig dabei war, dass sich die Macher nicht von ideologischen Prämissen leiten ließen. Die Spielverordnung wurde nicht gemacht, um das Spiel möglichst unattraktiv zu machen oder gar zu verderben. Sie wurde auf ihren Kern zurückgeführt: Schutz der Spieler vor unangemessen hohen Verlusten in kurzer Zeit. Haus und Hof durften unter keinen Umständen in Gefahr geraten, wie das beim illegalen Spiel droht. Aber Spannung und Unterhaltung durften und sollten groß genug sein, um illegales Spiel überflüssig zu machen.
Das Resultat war mehr als überzeugend. Die neuen Geräte erfreuten sich großer Beliebtheit. Die illegalen Geräte verschwanden innerhalb von zwei Jahren komplett aus dem Markt. Und nach den Zahlen der ehemaligen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gab es keinen Anstieg in der Belastung durch problematisches oder pathologisches Spielverhalten.
20 Jahre später ist das illegale Glücksspiel erneut kurz davor, das Kommando zu übernehmen. Wieder ist das legale Spiel nicht mehr marktgerecht. Schuld daran ist eine aktuelle Spielverordnung, die die Regeln von 2006 in Restriktionen verwandelt hat, die der Spieler nicht will. Zusätzlich haben Landesgesetze die Verbreitung des legalen Spiels so weit eingeschränkt, dass es zu oft nicht mehr verfügbar ist. Illegale Geräte schon. Sie sind auf dem Vormarsch. Ohne Jugend- und Spielerschutz. Ohne Steuerzahlung.
Die Geschichte wiederholt sich. Nur mit dem Unterschied, dass man 2006 nicht wirklich wusste, ob marktgerechtes legales Spiel das illegale Spiel tatsächlich verdrängen würde. Die Erfahrung hatte man nicht. Aber man hat sie jetzt. Man muss sich nur diese Erfahrungen ansehen – und dann handeln.
Allerdings: Ein Zurück in die Zukunft wird nicht reichen. Dafür sind wir zu viele Generationen von Smartphones mit direktem Spielanschluss von 2006 entfernt. Und ein hoch effizientes Spielersperrsystem sorgt inzwischen für Spielerschutz in einer 2006 nicht gekannten Dimension. Also ist es Zeit für eine grundlegend modernisierte Spielverordnung, die es dem legalen Spiel ermöglicht die Bedürfnisse der Kundschaft von 2026 zu befriedigen und dem illegalen Spiel das Wasser abzugraben. Dass die Politik diese Lektion aus den Erfahrungen von 2006 beherzigt, ist unser aller Wunsch für 2026.
Stefan Dreizehnter
Herausgeber games & business
dreizehnter@gamesundbusiness.de