Manfred Schlösser
28.05.2026
Die deutsche Krankheit
Die deutsche Krankheit wird rund um die Welt mal so, mal so gesehen. Einmal ist es der Lehrmeister-Virus, einmal der Jammer-Virus, einmal der Neid-Virus. Wie dem auch sei, derzeit ist es die deutsche Wirtschaft, die gleich von mehreren Viren „befallen“ und geschwächt ist.
Die Automatenwirtschaft ist geradezu ein Spiegelbild dieser Epidemie. Schuld sind Politik und Verwaltungen, die mindestens seit der Jahrtausendwende grundsätzlich den Schutz vor Risiken weit über den Spaß an Chancen stellen. Eifrig unterstützt und teils sogar angefeuert von Medien, die nahezu in allem, was uns Spaß und Freude macht, Risiken und drohendes Unheil sehen. Mal ist es das Glücksspiel, mal der Alkohol, mal das Auto, mal die Ernährung. Zunehmend wird versucht die geschürten Ängste durch Aktionismus, Regelungsdichte und alle Arten von Versicherungen in den Griff zu kriegen.
Schnell ist man versucht, alles der Politik in die Schuhe zu schieben. Das stimmt nicht immer. In jungen Jahren habe ich für einen Radio-Sender die Figur des „Paragrafix“ entwickelt und bei der Lektüre von unzähligen Urteilen feststellen müssen, dass es die Bürger sind, die jeden Fehltritt des Nachbarn, jede kleine Bausünde in der Straße und manche Meinungsverschiedenheit gleich zur Streitsache machen – dank der Rechtschutzversicherung, die heute zur Ausstattung gehört. Schutz ist deshalb auch in der Politik vielfach zur Handlungsmaxime geworden. Besonders in Parteien, die alle vermeintlichen Unsicherheiten und Risiken der Zukunft proaktiv minimieren wollen. Und da sind wir wieder beim Glücksspiel, beim Auto, beim Essen und natürlich auch beim Klima.
Die Folge sind wahnsinniger, bürokratischer Aufwand und arbeitszeitvernichtende Dokumentationspflichten. Um einen zu schützen, werden 99 gegängelt. Bevormundung wird als Schutz getarnt. Automatenunternehmer können ein Lied davon singen. Sachkundenachweis, Sozialkonzept, OASIS-Sperrsystem, Schulungen für Personal, Zertifizierung, Technik-Prüfung, Lenkungssteuern. Das alles auch noch unterschiedlich in Landesglücksspielgesetzen. Jedes für sich mag Sinn machen. Die Summe motiviert aber nicht zu unternehmerischem Handeln und mutigem Schritt in die Zukunft.
In vielen Berufen drängt es heute junge Menschen nicht mehr in die Selbstständigkeit, sondern in die Sicherheit großer Einheiten. Fragt man nach den Gründen, so stehen bürokratische Belastung und mangelnde Risikobereitschaft an erster Stelle. Hinzu kommt, dass es sich auch nicht mehr recht lohnt. Auch da ist der Aufstellunternehmer Spiegelbild gesellschaftlicher Entwicklung. Personal- und Energiekosten fressen die Erträge auf und was übrigbleibt, verschluckt die Steuer. Im Automatenunternehmen schlägt unabhängig davon auch noch die Vergnügungssteuer zu.
Nichts von den steigenden Belastungen kann – wie in anderen Branchen – an den Kunden weitergegeben werden kann. Der Spielpreis ist seit 30 Jahren staatlich zementiert. Hohe Abgaben, Überkontrollen, kleinteilige Regulierung, grundsätzliches Misstrauen gegenüber Unternehmern und ein Berg von Dokumentationspflichten lähmen die Lust auf Investitionen – in dieser und in anderen Branchen.
Es muss nicht unbedingt die berühmte Kettensäge sein, mit der man Bestehendes zerlegt, aber es muss bald was passieren. CDU und SPD – vor allem die – müssen kapieren, dass nicht mehr viel Zeit ist, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nannte die aktuelle Regierungskoalition die „letzte Patrone der Demokratie”. Sie muss endlich zünden.
In diesem Sinne
Manfred Schlösser
Verleger games & business
schloesser@gamesundbusiness.de