Stefan Dreizehnter
24.06.2026
Und täglich grüßt das Murmeltier
Erst kürzlich lief im Fernsehen wieder der Kultfilm „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Der Held des Films hängt in einer Zeitschleife fest und erlebt denselben Tag immer und immer wieder. Es dauert, bis er kapiert, wie er aus der Sache herauskommt.
Als jetzt der VDAI seinen 70. Geburtstag feierte, sah Co-Vorsitzender Manfred Stoffers den Verband in einer Situation wie der Protagonist in „Und täglich grüßt das Murmeltier”. Man wacht immer wieder im gleichen Setting auf. Schon die erste Mitgliederversammlung des VDAI beschäftigte sich mit der Vergnügungssteuer. So wirklich geändert hat sich das nicht – oder?
Was für den VDAI stimmt, stimmt für die gesamte Branche. Die Liste der sich endlos wiederholenden Themen lässt sich ziemlich präzise bestimmen. Spielverordnung, Vergnügungssteuer, Spielhallengrößen, Zukunft Gastro-Aufstellung und natürlich der Spielerschutz. Das war schon 1956 so. Und das ist 2026 nicht viel anders. Und täglich grüßt das Murmeltier.
Es wäre naiv zu glauben, dass man komplett aus diesem ewigen Kreislauf herauskommt. Jede Branche hat ihre Themen. Und das sind eben unsere. Allerdings mit zwei Punkten Unterschied, die beide mit dem Staat zu tun haben. Zumindest Teile der Politik halten das gewerbliche Glücksspiel für unerwünscht. Gleichzeitig ist es der gleiche Staat, der dem gewerblichen Spiel den Auftrag gibt, das Glücksspiel in legale und sichere Bahnen zu lenken.
Spätestens an dieser Stelle grüßt das Murmeltier nicht nur. Es beißt sich auch in den Schwanz. Ob Kommune mit Vergnügungssteuer, Länder mit Spielhallengesetzen und Glücksspielstaatsverträgen oder der Bund mit Spielverordnung – wann und wie immer sich die Branche auch dreht, um den sogenannten „Kanalisierungsauftrag“ zu erfüllen, läuft sie gegen eine staatliche Wand. Marktgerechtes Spiel ist nicht erlaubt. Ausweitung des Angebots ist nicht erwünscht. Und da reden wir noch nicht von modernem Marketing, fantasievoller Werbung oder pfiffigen Kundenbindungssystemen. Die Branche hängt in einem Kreislauf der Restriktionen fest, in dem das Murmeltier täglich grüßt.
Das alles geht leidlich gut, solange es scheinbar nur diesen Kreislauf gibt. Aber das ist eine Illusion. Das Leben ist kein Film. Das Leben lebt in Bereichen, in dem der Staat nicht der allmächtige Regisseur ist. Und dann grüßt das Murmeltier plötzlich nicht mehr so schön regelmäßig. Spiel findet immer mehr illegal statt. Der Regisseur verliert die Kontrolle über das Stück. Der alte Film ist über kurz oder lang nicht zu retten.
Der Hauptgrund dafür ist nicht das böse Leben. Der Hauptgrund ist die Tatsache, dass die Besucher den alten Film einfach immer seltener sehen wollen, und die staatlich gelenkten Vorstellungen zugunsten spannenderer Streifen ignorieren. Will der Staat weiter Regisseur bleiben, dann muss er ein anderes Stück auf der Leinwand möglich machen. Moderner, mit mehr Drive und mehr Kick. Mit Akteuren, die deutlich mehr Freiheiten genießen als bisher. Und mit einer Haltung, die dem Leben vertraut, statt es in der Zeitschleife gefangen zu halten. Nur dann kommen die Leute wieder in die Vorführung. Nur dann kommen die Leute wieder zum legalen und geschützten Spiel. „Und täglich grüßt das Murmeltier“ hat ausgedient.
Stefan Dreizehnter, Herausgeber games & business
dreizehnter@gamesundbusiness.de