AV Saar: „Gas geben für mehr Gehör“

„Gas geben für mehr Gehör“ – das war das Credo von Rudolf Buchheit, 1.Vorsitzender des Automaten-Verbands Saar (AVS), bei der Jahreshauptversammlung am 22. April in Elversberg. Vor allem das illegale Spiel muss im Saarland laut Buchheit endlich konsequenter bekämpft werden. Zwar seien auch im Saarland die Informationsveranstaltungen des Bundesverbands Automatenunternehmen (BA) „sehr erfolgreich“ dabei, die Mitarbeiter von Ordnungsämtern zu schulen, um die Unterschiede zwischen legalen und illegalen Geldspielgeräten noch schneller zu erkennen. Es mangele aber teilweise an der praktischen Anwendung, kritisierte der AVS-Vorsitzende.

Es brauche deutlich mehr Kontrollen, um das illegale Spiel tatsächlich wirksam zurückzudrängen. Als ein Negativbeispiel nannte Buchheit eine Kommune an der französischen Grenze. Dort habe der Bürgermeister das Angebot des Verbands für eine Schulung seiner Ordnungsamtsmitarbeiter ausgeschlagen, obwohl das illegale Spiel laut AVS in dem Ort regelrecht boomt. Die legalen Geldspielgeräte, die dort aufgestellt würden, seien „Alibi-Geräte“, während in den Hinterzimmern an einer Vielzahl illegaler Geräte gespielt werde, berichteten Mitglieder des AVS-Vorstands.

„Riesenthema“ illegales Spiel

Es gab aber auch Positives zu vermelden: Gerade jüngere Beamte aus den Behörden hätten ein weniger verkrampftes Verhältnis zur Automatenbranche. „Die sehen uns als Kaufleute“, so Buchheit. Und auch auf politischer Ebene lohne es sich, hartnäckig die Interessen des legalen Spiels zu verfolgen. So sei es gelungen, leitenden Mitarbeitern des saarländischen Wirtschaftsministeriums bei einem Termin Ende 2025 zu demonstrieren, wie stark das legale Geldspiel reguliert ist – am Beispiel einer Aufstellung in der Gastronomie. „So habe ich mir das gar nicht vorgestellt“, sei der Tenor der Beamten gewesen. Auch Maximilian Fiel, Länderbeauftragter des Dachverbands Die Deutsche Automatenwirtschaft (DAW) für das Saarland, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, hofft auf künftig mehr Kontrollen durch Politik und Behörden beim Kampf gegen das illegale Spiel. Das illegale Spiel sei durch die Nähe zu Frankreich ein „Riesenthema“ im Saarland.

AVS verjüngt Vorstand

Beim „Gasgeben“ gegen das illegale Spiel erhält der AVS-Vorstand in Zukunft auch Unterstützung von zwei neuen jüngeren Mitgliedern: Die Automatenunternehmer Christian Esselen und Björn Steffen wurden neu in den Vorstand gewählt. Sie folgen auf Hans-Jürgen Jentzsch und Philipp Zimmer. Neben ihnen wurden Rudolf Buchheit, Markus Schackmann und Benedict Jentzsch – ebenfalls einstimmig – als 1. Vorsitzender, Stellvertreter und Schatzmeister in ihren Ämtern bestätigt. Vom BA gab es an diesem Tag praktische Ratschläge zum Umgang mit der immer weiter steigenden Vergnügungssteuer in den Kommunen. BA-Geschäftsführerin Simone Storch und BA-Justiziar Stephan Burger rieten den Unternehmern, schon frühzeitig Kontakt mit Behörden und Politik in ihren Kommunen aufzunehmen.

Eine Hilfe hierbei seien digitale Ratsinformationssysteme, über die veröffentlicht werde, wann eine Kommune welche Themen berate. Durch rechtzeitige Gespräche im Vorfeld bestehe zumindest die Chance, deutlich zu machen, dass immer weiter steigende Vergnügungssteuersätze nicht automatisch zu mehr Steuereinnahmen führten. Im Gegenteil: Immer höhere Vergnügungssteuern und ein zuletzt 1993 festgelegter Spielpreis brächten viele Spielhallen an die Grenzen ihrer Wirtschaftlichkeit. Müssten legale Spielhallen Insolvenz anmelden, gingen den Kommunen nicht nur die Einnahmen aus der Vergnügungssteuer komplett verloren – die Spielgäste würden ins illegale Spiel abwandern, betonte Storch.

Verpflichtender Test angemahnt

Eine Möglichkeit zur Stärkung des legalen Spielangebots sieht AVS-Justiziar Harro Bunke in der Erlaubnisvergabe zum Betreiben von Glücksspiel. Hier sei es wichtig, dass die Teilnehmer einer Schulung der Industrie- und Handelskammern zum Spieler- und Jugendschutz auch der deutschen Sprache mächtig seien. Bunke, der selbst solche Schulungen bei der IHK durchführt, kritisiert, dass Teilnehmer diese Bescheidung auch dann erhielten, wenn sie vorab selbst deutlich gemacht hätten, dass sie kein Deutsch verstehen. Er bezweifele, dass jemand, der das Gesagte nicht verstehe, dann auch tatsächlich den Kinder- und Jugendschutz anwende, so Bunke. Hier müsse die Automatenbranche aktiv werden.

Einen Bericht über die Jahreshauptversammlung des AVS finden Sie auch in der Mai-Ausgabe von games & business. Eine Bildergalerie von der Veranstaltung gibt’s hier. Sie wollen immer informiert sein über das, was die Branche bewegt – auch in Ihrer Region? Dann brauchen Sie das Unternehmermagazin für die Automatenwirtschaft – hier geht es zum kostenlosen Probeabo!

Foto: Der neu gewählte AVS-Vorstand – (v. l.) Schriftführer Christian Esselen, stellvertretender Vorsitzender Markus Schackmann, Schatzmeister Benedict Jentzsch, Vorsitzender Rudolf Buchheit und Beisitzer Björn Steffen – will sich verstärkt für einen konsequenteren Kampf gegen das illegale Spiel im Saarland einsetzen. © games & business