„Besser als Rauchen“

„Das ist besser als Rauchen, da kann man ja immerhin etwas gewinnen.“ Diese erfrischend offene Sicht auf das Glücksspiel schilderte Dr. Florian Spohr vom Institut für Sozialwissenschaften an der Universität Stuttgart am 10. Juni bei der Jahreshauptversammlung des Bundesverbands Automatenunternehmen (BA) in Berlin. Als er Kollegen gegenüber erwähnt hatte, einen Vortrag bei der Automatenwirtschaft zu halten, seien das deren Reaktionen gewesen, berichtete Spohr. Das gewerbliche Glücksspiel besitze „nicht den Glamour eines Casino Royale“, fasste Spohr seine eigene Sicht „als Privatperson, die außerhalb der Automatenbranche steht“, zusammen. „Komisch“ sei allerdings, dass Lotto in der Gesellschaft ein so gutes Image habe, merkte Spohr an. Schließlich habe Lotto „richtig schlechte“ Gewinnchancen. Trotzdem würden die Medien jeden geknackten Jackpot mit „Hurra“ begleiten.

Unternehmen lobbyieren selbst

Spohr referierte über Lobbyismus im Wandel der Zeit. Dabei rückte er vor allem in den Fokus, dass gegenwärtig immer mehr Unternehmen selbst gezielt lobbyieren, während dies früher Aufgabe der Verbände war. Das sei ja auch in der Automatenbranche der Fall, sagte Spohr und verwies auf die Freizeit-Freiheit-Kampgane von Löwen Entertainment. In der deutschen Automatenbranche gebe es mit adp Merkur und Löwen Entertainment zwei große Unternehmen, die selbst über größere Budgets verfügten als die Branchenverbände.

Dies könne auch zu Interessenkonflikten führen, so Spohr. Unternehmen setzten sich natürlich primär für ihre eigenen Interessen ein, die nicht immer deckungsgleich mit den Interessen einer kompletten Branche sein müssten.

Politik setzt auf Verbände

Im Sinne des Politikwissenschaftlers Ernst Fraenkel entstehe „gerechte Politik als Kompromiss der divergierenden Ideen und Interessen“. Über die Lobbyarbeit ihrer Verbände könnten unterschiedliche Interessengruppen ihre Anliegen in die Politik einbringen. Die Tatsache, dass einzelne große Unternehmen zunehmend selbst lobbyierten, bedeute aber keinen totalen Bedeutungsverlust der Verbände, so Spohr. Die Politik habe immer noch ein großes Interesse daran, die Verbände zu stärken. Der Grund sei ein praktischer: Mit Verbänden ließen sich ganze Branchen abdecken und so die Zahl der Ansprechpartner reduzieren. Dies erleichtere der Politik die Arbeit.

Auch NGOs konkurrieren mit Verbänden 

Seit den 1980er Jahren haben Verbände laut Spohr auch Konkurrenz durch Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Gruppierungen wie „Fridays for Future“ bekommen. Diese besäßen keine Mitgliederstruktur und Basisdemokratie wie Verbände. Trotzdem schafften sie es über Kampagnen und Medien teils großen Einfluss auf die öffentliche Meinung zu nehmen. Frank Waldeck, Vorsitzender des Niedersächsischen Automatenverbands und des Fachverbands Spielhallen, beklagte, dass gerade auch die Automatenbranche sich den Kampagnen kleiner aber lautstarker Gruppen ausgesetzt fühle. Auf die Frage, wie darauf zu reagieren sei, hatte Spohr kein Patentrezept.  Solche Kampagnen seinen oft „sehr moralisierend“. Verbänden bleibe nichts anderes übrig, als zu zeigen, dass ihre Interessen „legitim“ seien.

Um eigenes Image kümmern

BA-Vorstandsmitglied Thomas Plöger rief die Versammlungsteilnehmer auf, sich stärker um das eigene Image der Automatenbranche zu kümmern. Man dürfe nicht zulassen, „dass die Suchtverbände allein unser Image prägen“. Deshalb sei es wichtig, dass die Verbände sich auch stärker im Bereich Social Media engagierten. Es sei in diesen „extrem schwieriegen Zeiten“ besonders wichtig, als Branche zusammenzustehen und mit einer Stimme zu sprechen, beschwor BA-Präsident Thomas Breitkopf den Zusammenhalt der Automatenbranche.

Weitere Themen der Jahreshauptversammlung waren unter anderem die stark gestiegenen Vergnügungssteuersätze in den Kommunen vieler Bundesländer sowie die in manchen Bundesländern bevorstehenden Wahlkämpfe. Einen Bericht über die Jahreshauptversammlung   des BA gibt es in der Juli-Ausgabe von games & business. Sie wollen immer informiert sein, über das, was die Branche bewegt – auch in Ihrer Region? Dann brauchen Sie games & business – hier geht es zum kostenlosen Probe-Abo!

Foto: Dr. Florian Spohr vom Institut für Sozialwissenschaften an der Universität Stuttgart bei der Jahreshauptversammlung des Bundesverbands Automatenunternehmen in Berlin.