17.04.2026
Gaming in Europe: Mit Verantwortung gegen illegale Affiliates
Illegales Affiliate-Marketing ist häufig das Tor für Spieler in den Schwarzmarkt. Aus diesem Grund widmete Gaming in Europe am 16. April dem Thema ein Webinar. Diskutiert wurden die bestehenden Probleme und potenzielle Lösungsansätze. Dabei sind nicht nur Gesetzgeber und Regulierungsbehörden gefordert, auch Big-Tech-Unternehmen wie Google stehen in der Verantwortung.
Deutliche Asymmetrie
„Spieler finden illegale Angebote über Google“, beobachtet Timothy Malmros Genach, SEO-Experte bei Magenti Media, aus der Praxis. Und gerade hier können illegale Affiliates punkten. Dies liegt zum einen an einer hohen Expertise. „Illegale Anbieter sind sehr gut in SEO (Search Engine Optimization), vielleicht sind sie die besten“, berichtete Frank Op de Woerd, Editor-in-Chief bei CasinoNieuws. Zum anderen gelten für diese Akteure jedoch nicht die gleichen Regeln wie für legale Affiliates. So nutzen die Illegalen etwa manipulative Techniken wie Parasite-SEO. Aber es gäbe noch eine „dunklere Ebene“ darunter, weiß Op de Woerd aus eigener Erfahrung. Denn illegale Affiliates greifen unter anderem auch zu DDoS-Attacken, die legale Seiten lahmlegen. So entstehe eine deutliche „Asymmetrie“. Diese wird dadurch verstärkt, dass das Produkt auf illegalen Seiten häufig attraktiver ist. „Google liefert, was die Leute suchen“, weiß Dr. Andreas Ditsche, CEO bei iGaming.com. Die zehn meistgesuchten Begriffe im Glücksspielkontext seien in Deutschland nicht erlaubt, beispielsweise „Casino ohne Limit“.
„Wir optimieren für Vertrauen“
An diesem Punkt setzt der Fünf-Punkte-Plan an, den Frank Op de Woerd vorstellte. Zunächst müsste die Attraktivität des legalen Angebots gestärkt werden. „Die Regulierung geschah mit guten Intentionen, aber es ist zu viel“, erklärt er aus der niederländischen Praxis. Zudem sollten legale Affiliates künftig als Teil der Lösung gesehen werden. „Wir können verantwortungsvoll aufklären.“ Hierzu müsse man die legalen Akteure sichtbarer machen und ihnen so den Wettbewerb mit den Illegalen erleichtern. Verantwortung ist für Ditsche das große Thema: „Vor fünf Jahren haben wir für Klicks optimiert, heute für Vertrauen.“ Compliance sei heute entscheidender als Wachstum und Verantwortung wichtiger als hohe Conversion-Raten.
Zudem müsse der Druck auf die illegalen Anbieter erhöht werden. Dabei sei klar, dass man sie nicht dauerhaft stoppen könne. Es gehe jedoch darum, den Kosten-Nutzen zu erschweren, erklärte Timothy Malmros Genach. Sein Vorschlag: Die Regulierungsbehörden sollten mit DMCA-Strikes (Digital Millennium Copyright Act) gegen illegale Anbieter vorgehen. Für Op de Woerd liegt der Druckpunkt zudem bei den Serviceprovidern. Ein weiterer großer Faktor sind die großen Tech-Unternehmen. „Google und Meta verdienen Geld mit illegalem Glücksspiel“, unterstrich Op de Woerd. Auch für Maarten Heiner, Secretary General beim EGBA (European Gaming & Betting Association), ist klar: „Wir müssen Big Tech in die Verantwortung nehmen.“ Dies sei ein zentrales Anliegen der Arbeit des Verbands. In diesem Zusammenhang nannte er auch die Erkenntnisse von Tipico, Neumitglied beim EGBA. Das deutsche Sportwettunternehmen hat zahlreiche Daten zu illegalen Werbeaktivitäten gesammelt. Mehr dazu lesen Sie in der April-Ausgabe von games & business.
Bild: Screenshot aus dem Webinar