10.09.2026
Illegales Online-Glücksspiel: DOCV fordert Nachschärfung des Glücksspielstaatsvertrags nach Großrazzia
Der Deutsche Online Casinoverband (DOCV) begrüßt den Ermittlungserfolg der Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen mutmaßliche Betreiber illegaler Online-Glücksspielangebote. Nach Angaben der Behörde wurden über die Plattformen allein zwischen Juli 2021 und Ende 2023 Spieleinsätze von rund 5,86 Milliarden Euro abgewickelt. Für das Jahr 2024 wird den Beschuldigten zudem ein Steuerschaden von 77,6 Millionen Euro zugerechnet.
Vermögen im Wert von 82 Millionen Euro gesichert
Eine Gruppe von fünf Beschuldigten soll jahrelang ohne deutsche Lizenz Online-Glücksspiele angeboten haben. Das Ermittlungsverfahren lief über mehr als drei Jahre und hat am 8. September zur Großrazzia geführt. Elf Objekte wurden laut dpa-Meldung durchsucht, vor allem im Rhein-Main-Gebiet mit Schwerpunkt Frankfurt, aber auch in Köln. Ein Haftbefehl wurde vollstreckt, außerdem Vermögenswerte von rund 82 Millionen Euro beschlagnahmt. Mehr als 100 Einsatzkräfte waren beteiligt. Neben der Steuerfahndungsstelle des Finanzamtes Frankfurt und dem Frankfurter Polizeipräsidium auch das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität in Nordrhein-Westfalen.
Ermittlungszahlen werfen Fragen zu GGL-Angaben zum Schwarzmarkt auf
DOCV-Präsidiumsmitglied Kevin O’Neal erklärt: „Ohne Frage ist dieser Zugriff ein Erfolg. Er zeigt aber auch, dass der illegale Online-Glücksspielmarkt floriert und welches Ausmaß die organisierte Kriminalität im illegalen Online-Glücksspielmarkt erreicht hat.“ Die Größe des illegalen Marktes bleibt umstritten, ordnet der Verband ein. Der Tätigkeitsbericht 2025 der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) geht für 2024 von einem Schwarzmarktanteil von 23 Prozent und Bruttospielerträgen von 547 Millionen Euro aus. Nielsen Daten kommen dagegen auf einen Anteil illegaler Anbieter von rund 56 Prozent. O‘Neal: „Die Zahlen aus dem Ermittlungsverfahren passen nicht zu den Schätzungen der Behörde. Diese Differenz ist zu groß und muss von der GGL erklärt werden. Ihre Zahlen zeichnen ein zu kleines Bild vom Schwarzmarkt.“
Bundesweites Erlaubnismodell für Online-Casinospiele nötig
Die heutige Razzia zeigt, dass die Regulierung von Glücksspielen im Internet wie den Online-Casinospielen nicht funktioniert. Virtuelle Automatenspiele und Online-Poker sind bundeseinheitlich geregelt, Online-Casinospiele sind Ländersache. O’Neal fordert: „Konzessionen für Online-Casinospiele wurden in den einzelnen Bundesländern bislang kaum vergeben, deshalb finden Online-Casinospiele fast ausschließlich im Schwarzmarkt statt. Die Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrages muss deshalb ein bundesweites Erlaubnismodell für Online-Casinospiele auf den Weg bringen.“
DOCV drängt auf wirksamere Maßnahmen
Kevin O’Neal sieht Handlungsbedarf in zwei Richtungen. Ein attraktiver legaler Markt allein reiche nicht. Der Vollzug gegen illegale Anbieter müsse konsequent erfolgen. Neben Payment- und Geoblocking, Netzsperren und Zusammenarbeit mit Suchmaschinen zur Anzeigenkontrolle sei die Anpassung der §§ 284 StGB ff. an das digitale Zeitalter zentral. „Die geltenden Paragrafen basieren auf einem stationären Glücksspielverständnis und stoßen bei grenzüberschreitenden Online-Angeboten an ihre Grenzen“, so O’Neal. „Der Tatort muss auf den Aufenthaltsort der Spielenden in Deutschland ausgeweitet werden, um eine wirksame Strafverfolgung zu ermöglichen.“
Bild: © DOCV