Stefan Dreizehnter
02.03.2026
Sukzessive verzwergt
Auf der ICE, der größten Glücksspielmesse der Welt, fühlt man sich immer ein bisschen wie auf einem anderen Stern. Egal ob analog oder digital – die internationale Glücksspielwelt ist groß, bunt und manchmal auch ein bisschen laut. Sie lässt keinen Zweifel, dass es dabei um Entertainment geht, um eine schöne Nebensache, um Angebote für Entspannung und Ablenkung. Denn das Leben ist schon hart genug. Es geht aber auch um Business, um den Kunden und dessen Aufmerksamkeit, die gewonnen werden muss, damit sich diese bunte Welt immer weiterdreht.
Das Schöne an dieser bunten und weiten Glücksspielwelt: Sie ist komplett legal. Zugegeben – nicht immer und überall. Aber irgendwo auf dieser Welt sind die Geräte oder Spielinhalte, die in Barcelona gezeigt werden, rechtlich völlig unproblematisch. Oft spielen dabei kulturelle Vorlieben oder auch rechtliche Traditionen eine Rolle. Als Klassiker darf man die Briten anführen, die auf alles und jedes wetten wollen und auch dürfen, was aus deutscher Perspektive zum Untergang des Abendlandes führen würde. Und so ist es mit so ziemlich allem, was in Barcelona auf der ICE gezeigt wird. Alle Spiele dort – vom Geldspiel über Onlinegames bis Sportwetten – hat zumindest irgendwo auf dieser Welt Zulassung mit Brief und Siegel. Und keines der fast 190 Länder, aus denen die Aussteller auf dieser Messe kommen, ist bekannt dafür, im blubbernden Sumpf des Glücksspiels unterzugehen. Man könnte also die Sache mit den Regeln durchaus etwas liberaler angehen. Oder wie wäre es einfach mit ein bisschen mehr Lebensfreude?
Wenn es einen Glücksspielsumpf gibt, dann heißt der illegales Spiel. Wären wir Deutsche die Saubermänner, als die wir uns immer ausgeben, dürfte es das bei uns nicht geben. Aber das Gegenteil ist der Fall. Das illegale Spiel grassiert. Und damit unterscheidet sich der angeblich so sauber geordnete deutsche Markt in nichts von anderen Märkten, wo das legale Spiel auch nicht mehr den Anforderungen seiner Kunden gerecht wird. Dann kommt die illegale Alternative um die Ecke. Dieses Prinzip ist keine Erfindung der deutschen Glücksspiellobby – vorzugsweise aus den privaten Bereichen des Spiels. Wer mit wachen Augen über die ICE und deren politisch-regulatorisches Programm gegangen ist, der konnte erfahren, dass dieses Phänomen international ist – und von der legalen internationalen Glücksspielwirtschaft energisch bekämpft wird, so gut es geht. Und so gut, wie man sie eben lässt. In Deutschland weniger gut.
Denn hierzulande sieht die Regulierung nach wie vor so aus, dass legales Spiel immer häufiger gegen illegales Spiel verliert. Deswegen biegen große legale Player angesichts der Überregulierung immer wieder enttäuscht vor dem deutschen Markt ab. Es gibt bessere Alternativen, als sich mit regulatorisch gewollten, unzureichenden Angeboten illegaler Konkurrenz zu stellen. Da nützt es auch nicht, dass Deutschland drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ist. In Sachen legaler Spielspaß haben wir uns sukzessive regulatorisch verzwergt.
Das müsste nicht sein. Die legalen Alternativen, um mit legalem Spiel auch in Deutschland gegen das illegale Spiel gut zu bestehen, die gibt es. Auch von unseren nationalen Herstellern. Man muss sich nur auf der ICE umsehen und nicht hinter allem, was offensichtlich Spielspaß macht, gleich den Untergang sehen. Nur zur Erinnerung: Alles dort ist legal. Und nicht ansteckend. Man kann ruhig mal gucken.
Stefan Dreizehnter
Herausgeber games & business
dreizehnter@gamesundbusiness.de