Westlotto-Spielstudio mit Prof. Dr. Gerhard Bühringer

In der 50. Folge des Westlotto-Spielstudios empfängt Gastgeber Axel Weber Prof. Dr. Gerhard Bühringer. Der Suchtforscher, Psychotherapeut und langjährige Direktor des Instituts für Therapieforschung in München erforscht seit Jahrzehnten, wie Menschen mit Glücksspiel umgehen, wann es riskant wird, was wirksamen Schutz ausmacht und ist unter anderem Autor der Studie zur Evaluierung der Spielverordnung. Die Jubiläumsfolge wurde erstmals live vor Publikum bei der Responsible Leadership Conference in Düsseldorf aufgezeichnet. Weber und Bühringer sprechen über Spielerschutz und Selbstverantwortung, Forschung und Regulierung – und die Frage, wie ein legaler Glücksspielmarkt seiner Verantwortung wirklich gerecht werden kann.

Völlig schiefe Diskussion

Die öffentliche Diskussion über Glücksspiel ist völlig schief, meint Prof. Bühringer. Die große Mehrheit spiele risikoarm. 98 bis 99 Prozent könnten mit Glücksspiel umgehen. Die öffentliche Debatte aber dominiere problematisches Spielverhalten, sagt Bühringer, der sich für einen differenzierten Blick auf das Glücksspiel ausspricht. Zwei Ziele sind für ihn maßgeblich: Wie informiere ich die, die risikoarm mit Glücksspiel umgehen können, damit es ihr Leben lang so bleibt. Und wie erkenne ich als Glücksspielanbieter diejenigen, die nicht damit umgehen können, möglichst früh und schütze sie mit den vorhandenen Instrumenten bis hin zur Sperre. Gute Information, frühzeitige Hilfen und ein verantwortungsvoller Umgang mit Risiken statt pauschaler Verbote seien gefragt. Und Staat, Anbieter und Spieler dabei gleichermaßen in der Pflicht.

Die deutsche Regulierung mit ihren zahlreichen Schutzvorgaben ist in Bühringers Augen zu kompliziert gestaltet und wissenschaftliche Forschung profitiere zu selten von den vorhandenen Daten. Wer ein neues Glücksspielangebot nutzt, sollte vorher lernen können, wie es funktioniert und welche Risiken es birgt – ähnlich wie beim Führerschein, bevor man sich ans Steuer setzt, schlägt Bühringer etwa vor. Darüber hinaus ist die Spielwelt junger Menschen für Bühringer von besonderem Interesse, denn Lootboxen, virtuelle Währungen und Casinomechanismen gewöhnten Kinder und Jugendliche früh an glücksspielähnliche Angebote.

Zahl derjenigen, die mit Glücksspiel umgehen können, ist nicht präsent

Warum gelingt es nicht den Glücksspielfaktor als gesellschafts- und wirtschaftlich wichtigen Faktor in Deutschland anzuerkennen, bringt Weber einen weiteren Aspekt zur Sprache. Eine mögliche Erklärung dafür, dass Glücksspiel oft so negativ konnotiert ist, sieht Bühringer etwa darin, dass man in den Medien meist nur den extremen Einzelfall finde, der kurz vorm Selbstmord sich so ruiniert hat, dass ihm nichts mehr einfällt. Das, so Bühringer, sei nur ein „winziger Teil der Wahrheit“. Dagegen fehle in der Presse die Zahl derjenigen, die mit Glücksspiel umgehen können. Denn das sei die langweilige Seite, da fehle die Sensation bzw. der Part, der Aufmerksamkeit errege und Klicks erzeuge.

Zu den weiteren Themen des Gesprächs gehört etwa auch die Forschungsfinanzierung im Glücksspielbereich. Hier insbesondere das Problem, dass Forschung, die von der Industrie finanziert wird, nicht anerkannt werde, obwohl es in Deutschland ein Drittmittelgebot gibt. Da hacke der eine Forscher dem anderen das Auge aus, stellt Weber in den Raum.

Empfehlungen für Glücksspielanbieter

Glücksspielanbieter sollten kein schlechtes Gewissen haben, Glücksspiel anzubieten, meint Bühringer auf die Aufforderung an ihn, drei „Stammbuchsätze“ für Glücksspielanbieter zu formulieren. Sie sollten die Verantwortung ausführen wie für jedes Industrieprodukt und demjenigen, der es nutzt, auch die Kompetenzen in die Hand geben, es risikoarm zu nutzen. Und sie sollten sich um die kümmern, die damit nicht umgehen können, damit möglichst wenig Schaden umgeht. Hier geht es zur 50. Folge des Westlotto-Podcasts Spielstudio.

Bild: © Westlotto