Glücksspielstelle Hohenheim: Kritik an Sportwettwerbung

Im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft warnen Forscher der Forschungsstelle Glücksspiel der Uni Hohenheim vor den Auswirkungen von Sportwettenwerbung. Glücksspielwerbung gehöre im Profifußball inzwischen zum Normalzustand, „mit erheblichen Risiken insbesondere für junge und andere vulnerable Gruppen“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung aus Hohenheim. 

Enge Verknüpfung

Wettanbieter sind laut den Forschern in Live-Übertragungen, Sportsendungen und sozialen Medien dauerhaft präsent. Sponsoring, Bandenwerbung und digitale Inhalte verknüpften Fußball und Sportwetten eng miteinander. „Diese ‚Gamblifizierung‘ trägt dazu bei, dass insbesondere Sportwetten zunehmend als normaler Bestandteil des Sporterlebnisses wahrgenommen werden“, so der Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel Dr. Steffen Otterbach.

Grundlage für die Kritik ist unter anderem eine Untersuchung mit dem Titel „Glücksspielwerbung während der Fußballeuropameisterschaft 2024 in Deutschland“, die bereits im vergangen Jahr veröffentlicht wurde. Hierfür wurden elf Spiele der EM untersucht und dabei 5.914 Hinweise auf Glücksspielwerbung in der TV-Übertragung gezählt. Im Durchschnitt erschien demnach etwa alle zwei Minuten eine neue Werbesequenz. „Insgesamt war Glücksspielwerbung während knapp 195 Minuten der untersuchten Sendezeit präsent – das entspricht rund 7,4 Prozent der gesamten Übertragungsdauer oder etwa die Länge einer Halbzeitpause pro Spiel“, fasst Studienleiter Dr. Johannes Singer zusammen.

18.708 Werbeinhalte an einem Spieltag

In einer weiteren Studie analysierten die Forscher die Glücksspielwerbung an einem kompletten Bundesliga-Spieltag. Konkret unter die Lupe genommen wurde der 21. Spieltag der Saison 2024/2025 inklusive Live-Übertragungen, Vor- und Nachberichterstattung, Halbzeit- und Werbepausen sowie der Sportschau und des Aktuellen Sportstudios. Insgesamt zählten sie 18.708 Werbeinhalte für Glücksspiele, davon 15.089 allein in den Live-Übertragungen. Über alle Spiele hinweg war Glücksspielwerbung laut den Ergebnissen fast 500 Minuten sichtbar – durchschnittlich etwa ein Drittel der gesamten Sendezeit. Etwa zwei Drittel der Platzierungen entfielen dabei auf Bandenwerbung.

Bild: © Universtität Hohenheim