Falscher Fokus? Illegales Glücksspiel in Baden-Württemberg

Baden-Württemberg will mit einer neuen zentralisierten Kontrollgruppe den Bereich der Sportwetten und Spielhallen unter die Lupe nehmen – allerdings die legalen Angebote. „Gerade die sind ein Bollwerk gegen den ausufernden Schwarzmarkt“, sagt Georg Stecker, Vorstandssprecher des Dachverbands Die Deutsche Automatenwirtschaft (DAW) gegenüber der Stuttgarter Zeitung (StZ). Dort hat man in einem Artikel (Bezahlschranke) die Entwicklung des Schwarzmarkts unter die Lupe genommen – unter Bezug auf zwei Ermittlungserfolge der Stuttgarter Kriminalpolizei in Bad Cannstadt beim illegalen Glücksspiel in jüngster Zeit. „Der Ermittlungserfolg der Stuttgarter Polizei bestätigt die Spielhallenbranche“, heißt es in der StZ. Insgesamt 130.000 Euro waren im Spiel. Die Ermittler stießen auf umgebaute Büroräume mit Spieltischen, Spielautomaten, Karten und Jetons und auf illegales Glücksspiel in einer Kneipe.

Hohes Niveau beim illegalen Glücksspiel

Gerade wurde in Baden-Württemberg die Kriminalitätsentwicklung des Landes vorgestellt – inklusive eigener Website zur Sicherheit. Es ist die Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2025. Auch darauf nimmt der StZ-Artikel Bezug. Bundesweit haben sich die Fallzahlen des illegalen Glücksspiels von 2017 bis 2024 verzwölffacht – von 504 auf 6.247. Für Baden-Württemberg vermeldete Innenminister Thomas Strobl (CDU) jetzt einen sinkenden Trend im Südwesten, sprach aber weiterhin von einem hohen Niveau. 470 Fälle seien es gewesen nach 671 und 762 aufgedeckten Straftaten in den beiden Jahren davor. Demnach tragen vor allem Fun-Game-Geräte weiterhin zur hohen Aktivität in diesem Deliktsbereich bei. Besonders im Visier der Polizei: Eigentlich erlaubnisfreie Unterhaltungs- oder Geschicklichkeitsspielgeräte wie Fun-4Four-Geräte. Auf diese Mehrspielertische würden zum Teil Spiele wie Roulette oder Poker aufgespielt und dann – an der Steuer vorbei – um Geld gespielt.

Zahlen, die täuschen können

„Bedeuten sinkende Fallzahlen also weniger illegale Glücksspiele – oder nur weniger aufgedeckte Zockereien?“, ist hier die Frage, die auch im StZ-Artikel genau so aufgeworfen wird. Seitens des Innenministeriums kämen hier bescheidene Zahlen, heißt es in der StZ unter Verweis auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Sascha Binder (SPD). Im Jahr 2025 seien 135 Wettvermittlungsstellen durch die jeweiligen Gemeinden überprüft worden – dabei seien „lediglich fünf Verstöße festgestellt“ worden. Und die Bußgeldbescheide seien bisher noch nicht einmal bestandskräftig, führt die StZ an und kommt wieder zur zentralen Kontrollgruppe beim Regierungspräsidium zurück.

Die Falschen im Visier

Für die Deutsche Automatenwirtschaft ist die Landesregierung auf dem falschen Weg. Unbedingt fordere der Verband einen gestärkten Vollzug. Die Kontrolle legaler Angebote gehe aber am Thema des wachsenden Schwarzmarkts vorbei. „Der legale Markt steht seit Jahren in einem harten Wettbewerb mit einem wachsenden illegalen Markt“, sagt DAW-Sprecher Stecker gegenüber der StZ. Bundesweit stünden 161.000 legale Geräte mindestens 50.000 illegalen Automaten gegenüber. „Tendenz steigend“, so Stecker. Schwarzmarkt werde produziert, wenn „das legale Angebot stark reduziert wird und durch gesetzliche Vorgaben nicht mehr nachfragegerecht angeboten werden kann“. Für Stecker ein Einfallstor der organisierten Kriminalität. Und in diesem Bereich stieg die Zahl der Ermittlungsverfahren im Vergleich zum Vorjahr.

Bild: „Die legalen Angebote sind ein Bollwerk gegen den ausufernden Schwarzmarkt“, appelliert DAW-Vorstandssprecher Georg Stecker. © AWI/DAW/Neumann