GGL nach 5 Jahren: Plädoyer für anpassungsfähigere Regulierung

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) zieht 5 Jahre nach ihrer Errichtung am 1. Juli 2021 und der vollständigen Aufgabenübernahme zum Januar 2023 Bilanz. 2026 arbeiteten demnach 100 hochqualifizierte Beschäftigte in der Aufsichtsbehörde. 129 Veranstalter und Vermittler umfasst die Whitelist im September 2026. Die Zahl der Aufsichten über erlaubte Anbieter 2025 gibt die GGL mit ca. 600 an. Rund 6.300 Websites zu unerlaubtem Glücksspiel und Werbung dafür sind seit Tätigkeitsbeginn überprüft worden. Auf ca. 700 beläuft sich die Zahl der seitdem eingeleiteten Untersagungsverfahren. 1.843 illegale Websites waren Ende 2025 laut GGL aufgrund von Untersagungen oder Netzsperren nicht mehr aus Deutschland erreichbar. Die Anzahl der Anbieter dieser betroffenen Websites gibt die Behörde mit 254 an. Auf 178 illegalen Websites war Ende 2025 kein Zahlungsverkehr über gängige Zahlungsdienstleister mehr möglich (Payment Blocking). In den LUGAS-Zentraldateien sind 5,3 Millionen Spielende registriert. Und den legalen Anteil des Online-Glücksspielmarktes gibt die GGL unter Berufung auf die von ihr in Auftrag gegebene Kanalisierungsstudie mit 77 Prozent an.

Handlungsspielraum stärken und mit Marktentwicklung Schritt halten

„Vor fünf Jahren gab es einen politischen Auftrag. Heute gibt es eine arbeitsfähige, deutschlandweit tätige Fachbehörde“, sagt GGL-Vorstand Ronald Benter. Man verfüge mittlerweile über die Erfahrungen, das Fachwissen und die technischen Möglichkeiten, um einen hochdigitalisierten und international geprägten Online-Glücksspielmarkt wirksam zu beaufsichtigen. Das sei der Startpunkt für die nächste Entwicklungsstufe. Gleichzeitig betont die GGL: „Geschäftsmodelle, technische Strukturen und Formen unerlaubten Glücksspiels entwickeln sich schneller, als sich ein staatsvertraglicher Rechtsrahmen verändern lässt.“ Die Behörde plädiert deshalb dafür, die Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 zu nutzen, um die Regulierung anpassungsfähiger zu machen und den fachlichen Handlungsspielraum der GGL innerhalb des gesetzlichen Rahmens zu stärken.

„Ein Markt, der sich technologisch und wirtschaftlich schnell verändert, braucht eine Aufsicht, die auf neue Entwicklungen zeitnah reagieren kann“, fordert Benter. Die GGL spricht sich deshalb dafür aus, ihre gewachsene fachliche Expertise künftig noch unmittelbarer für eine wirksame und zeitgemäße Aufsicht nutzen zu können. „Die Regulierung muss mit der Entwicklung des Marktes Schritt halten können“ so der klare Anspruch. Ziel bleibe eine wirksame, evidenzbasierte Glücksspielaufsicht, die Spielerschutz im legalen Online-Glücksspielmarkt gewährleistet und illegale Angebote konsequent zurückdrängt.

Einheitliche Aufsicht für legalen Markt

Als zentralen Erfolg der vergangenen fünf Jahre verweist die GGL auf die Etablierung eines bundesweit einheitlich beaufsichtigten legalen Online-Glücksspielmarktes. Bislang seien zwei Erlaubnisse widerrufen worden. Ziel ihrer Aufsichtstätigkeit sei nicht allein die Kontrolle einzelner Anbieter oder Angebote, so die Behörde. Es gehe darum, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, Risiken zu bewerten und die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben dauerhaft sicherzustellen. Und dazu gehöre auch, diese fortwährend auf ihre Zielgenauigkeit hin zu überprüfen.

Illegales Glücksspiel: Maßnahmen mit Wirkung

Mit Blick auf das illegale Glücksspiel macht die Behörde in ihrer Bilanz einen deutlich ausgeweiteten und ganzheitlichen Vollzug geltend, der auch das Umfeld illegaler Anbieter addressiert. Die Entwicklung zeige sich besonders deutlich bei den Untersagungsverfahren, deren Zahl von 68 im Jahr 2022 auf 287 im Jahr 2025 stieg und sich damit mehr als vervierfacht hat. Benter: „Mit unseren Maßnahmen unterbrechen wir die Funktionsfähigkeit illegaler Geschäftsmodelle und verteuern ihren Betrieb langfristig.“ Die Wirkung des Vollzugs zeigten die von der GGL in der Bilanz genannten Zahlen. Ein weiterer Erfolg sei, dass die Sichtbarkeit illegaler Anbieter reduziert werden konnte, da man den Vollzug auf große digitale Plattformen wie Google erfolgreich ausgeweitet hat.

Schwarzmarkt bleibt Herausforderung

Positiv und zugleich differenziert fällt die Bilanz der Behörde mit Blick auf die Kanalisierung aus. Der überwiegende Teil des Online-Glücksspiels finde inzwischen innerhalb des erlaubten Marktes statt, so die GGL. Gleichzeitig bedeute die Kanalisierungsquote von 77 Prozent, dass ein nicht unerheblicher Teil des Marktes weiterhin außerhalb der Regulierung liegt. Die weitere Zurückdrängung illegaler Angebote bleibe deshalb zentrale Aufgabe der GGL.

„Müssen Markt technisch verstehen“

In ihrer 5-Jahres-Bilanz hebt die GGL auch hervor, die technischen und organisatorischen Voraussetzungen für eine zunehmend daten- und technologiegestützte Aufsicht geschaffen zu haben. Mit dem länderübergreifenden Glücksspielaufsichtssystem LUGAS und durch die Auswertung von validen Safe-Server-Daten. „Wir beaufsichtigen einen Markt, dessen Geschäftsmodelle und technische Strukturen sich teilweise schneller verändern als klassische Verwaltungsprozesse“, sagt Benter. „Deshalb müssen wir nicht nur Recht anwenden. Wir müssen den Markt technisch verstehen. Gute Regulierung braucht heute juristische Expertise, Datenkompetenz und technisches Verständnis gleichermaßen.“

Positiv bewertet GGL-Vorstand Benter auch die föderale Zusammenarbeit. „16 Länder bündeln wesentliche Teile ihrer Glücksspielaufsicht in einer gemeinsamen Behörde. Nach fünf Jahren können wir sagen: Dieses Modell funktioniert.“ Für eine wirksame und zeitgemäße Aufsicht soll dieser Weg mit dem Verwaltungsrat, der sowohl für die Interessen der Länder als auch für die fachliche Weiterentwicklung der GGL stehe, weitergegangen werden.

Bild: © GGL