13.04.2026
Streeck: „Wir müssen illegales Glücksspiel wirksam zurückdrängen“
Der Glücksspiel-Schwarzmarkt wächst. Diese Erkenntnis kommt auch immer mehr in der Berichterstattung vieler Medien an. Aktuell zeigt dies etwa ein Bericht der Deutschen Presseagentur (dpa), die unter anderem der Focus aufgreift. Darin heißt es, der Schwarzmarkt erschwere den legalen Anbietern das Geschäft. Der Staat habe das Problem erkannt – „doch tut er auch genug?“.
„Druck und Gewalt“
Prof. Hendrik Streeck (CDU), Drogenbeauftragter der Bundesregierung, macht klar: „Wir müssen illegales Glücksspiel wirksam zurückdrängen. Dort gelten keine Regeln, es gibt keinen Spielerschutz und keine wirksame Kontrolle. Verluste können in kürzester Zeit eskalieren, und im illegalen Umfeld entstehen zusätzliche Risiken bis hin zu Druck und Gewalt.“ Zur Bekämpfung des Schwarzmarktes müssten die Behörden besser ausgestattet werden. Streeck ergänzt aber auch: „Und wir müssen sicherstellen, dass das legale Angebot seinem eigentlichen Zweck gerecht wird, nämlich Schutz zu bieten und Risiken zu begrenzen.“
Auch die Branche kommt in dem Bericht zu Wort. „Der Schwarzmarkt grassiert“, erklärt Manfred Stoffers, Vorstand bei Merkur. Von Löwen Entertainment heißt es: „Das illegale Angebot frisst den legalen Markt auf.“ Für legale Automatenunternehmer dagegen gelten strenge Regeln, die die unternehmerische Tätigkeit erschweren. Sie werden „zwischen den Mühlsteinen der Spielpreisdeckelung und der steigenden Kosten zermahlen“, moniert der Sprecher der Firma Löwen. Merkur-Vizechef Stoffers sagt: „Illegale Anbieter scheren sich nicht um solche Regeln: In Hinterzimmern oder Spielhallen, die als legale Gastronomie oder Kulturzentren getarnt sind, werden Geldspielgeräte betrieben – ohne Lizenz und ohne Spielerschutz.“
„Weitgehend trockenlegen“
Die legalen Anbieter sähen die Vorschriften gern gelockert und argumentieren, dass ein attraktives legales Angebot für die Kanalisierung notwendig sei. Das würde den Schwarzmarkt „weitgehend trockenlegen“ und dem Staat mehr Steuereinnahmen bescheren, sagt Merkur-Manager Stoffers. Widerspruch gibt es aus der Politik. Sebastian Fiedler, innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, führt aus: „Eine Attraktivitätssteigerung legaler Angebote kann dazu führen, dass der Gesamtmarkt wächst.“ Das hält er mit Blick auf die Zahl der Spielsüchtigen in Deutschland für problematisch. Auch Hendrik Streeck vertritt eine ähnliche Meinung: „Würde man dieser Logik folgen, müsste man überall dort, wo es illegale Angebote gibt, Schutzstandards zurücknehmen – das kann nicht der Maßstab staatlichen Handelns sein.“ Vielmehr müsse der Staat die gesetzten Regeln strenger durchsetzen. Aus Sicht von Branchenexperten hat das Problem des illegalen Glücksspiels einen unterschiedlichen Stellenwert in den Bundesländern. Während manche Bundesländer eher wenig tun und dies mit der Dringlichkeit des Vorgehens gegen andere Straftaten begründen, nehmen andere das Problem ernster, darunter Schleswig-Holstein.
Bild: © David Peters