11.11.2025
„Illegalen Markt eindampfen“: Oberstaatsanwalt beim Automaten-Verband Schleswig-Holstein
„Wir beide haben ein gemeinsames Interesse: den illegalen Markt einzudampfen.“ Mit dieser klaren Ansage sprach Oberstaatsanwalt Dr. Marcus Marlie (Foto), Leiter der Koordinierungs- und Ermittlungseinheit zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität (KE OK) bei der Generalstaatsanwaltschaft in Schleswig-Holstein, den Mitgliedern des Automaten-Verbands Schleswig-Holstein (ash) aus der Seele. „Ich muss zugeben, wir haben das Phänomen lange unterschätzt, haben es nicht verstanden“, sagte Marlie bei der Jahreshauptversammlung des ash am 10. November in Neumünster. Mittlerweile sei klar, dass das illegale Glücksspiel ein ständiges Begleitspiel der Organisierten Kriminalität sei und Verbrecherbanden damit viel Geld verdienten. „Mit dem Erlös aus illegalen Fungames von nur einem Monat kann man eine Menge Kokain co-finanzieren“, stellte Marlie klar.
Herausforderungen für Ermittler und Behörden
Deshalb sei es wichtig, dass der Staat dieses Problem nun verschärft angehe – auch wenn es „ein Wahnsinnsaufwand ist“, der bei Razzien hunderte Polizeibeamte binde, obwohl die Personaldecke ohnehin dünn sei. Zumal bereits festzustellen sei, dass sich das illegale Spiel immer stärker aus Café-Casinos, Hinterzimmern und Kulturvereinen in Privatwohnungen verlagere. Das erschwere die Ermittlungen. „Wir haben noch viel zu tun in Schleswig-Holstein“, unterstrich Marlie. Auch in anderen Bundesländern werbe er für diesen Ermittlungsansatz. „Das ist ein bundesweites Problem.“ Gleichzeitig räumte der Jurist ein, dass viele Behörden und Beamte – inklusive Richtern – noch nicht gut genug geschult seien, um diesem Problem zu begegnen. Der Personalmangel allerorten komme erschwerend hinzu.
Schlüssel zur Lösung: Zusammenarbeit und nachfragerechtes legales Angebot
Um dennoch dieser Problemlage Herr werden zu können, rief Marlie die in Neumünster versammelten Unternehmer auf, dem Staat bei dieser Aufgabe zu helfen. Wem Standorte mit illegalem Spiel bekannt seien, der sollte diese so konkret wie möglich bei der Polizei oder bei der Generalstaatsanwaltschaft melden. Solche Anzeigen könnten auch anonym gestellt werden, versicherte der Jurist.
„Das illegale Glücksspiel beschäftigt uns landauf und landab – es ist brutal“, betonte auch Thomas Breitkopf, Präsident des Bundesverbands Automatenunternehmen, der ebenfalls in Neumünster zu Gast war. Deshalb müsse es ein ausreichendes Angebot an legalem Glücksspiel geben – auch in der Gastronomie. Aber die Menge des Angebots allein sei nicht entscheidend, so Breitkopf. Es gehe auch um die Attraktivität des Spiels. „Wir brauchen für das legale Spiel wieder ein Angebot, mit dem wir unsere Gäste wieder abholen können“, mahnte Breitkopf. Er hoffe, dass die Politik diesen Zusammenhang zwischen legalem Spielangebot einerseits und ausuferndem illegalen Spiel andererseits verstehe. Vom Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft Schleswig-Holstein bekam Breitkopf Rückendeckung. „Wenn man das Gesamtphänomen in den Griff bekommen möchte, muss der legale Markt so attraktiv sein, dass die Leute gar nicht erst in diesen Spelunken spielen wollen“, hatte Marlie zuvor bereits gesagt.
Einen weiteren Bericht über die Sitzung des ash finden Sie in der Dezember-Ausgabe von games & business. Eindrücke der Jahreshauptversammlung des ash gibt es als Bildergalerie hier auf unserer Facebook-Seite. Sie wollen immer wissen, was die Branche beschäftigt, in Ihrem Bundesland, aber auch bundesweit? Dann brauchen Sie games & business – hier geht’s zum kostenlosen Probeabo!
Bild: © games & business