24.06.2026
FSH stimmt über Auflösung ab: „Am Ziel angekommen“
Die Sitzung des Fachverbands Spielhallen (FSH) am 24. Juni in Unterschleißheim könnte die letzte reguläre Sitzung des Verbandes gewesen sein. Der Vorstand sprach sich für eine Auflösung des Verbandes aus und skizzierte bereits einen Plan zur Abwicklung. Die Mitglieder müssen jedoch noch im Rahmen außerordentlicher Sitzungen der Auflösung zustimmen.
„Brauchen den FSH als Organisation nicht mehr“
„Wir sind am Ziel angekommen“, begründete Frank Waldeck, Vorsitzender des FSH, den Schritt. Vor 14 Jahren habe in der Branche Lethargie geherrscht. Deshalb habe sich im FSH ein Kreis der Unzufriedenen zusammengefunden, der sehr schnell gewachsen sei. „Wir wollten mehr aus der Verbandsarbeit herausholen“, erklärte Waldeck. „Dafür waren wir innovativ und sind positiv aggressiv aufgetreten.“ Doch inzwischen habe sich die Situation geändert: Die Mitglieder des FSH seien längst auch in den anderen Verbänden einflussreich vertreten. „Der FSH war ein Trittbrett, und inzwischen sind wir am Ziel. Unsere Mitglieder sind heute da, wo wir es uns gewünscht haben.“ In dieser Konstellation wolle man auch verhindern, dass der FSH „seine eigene Opposition wird“. Die Verbändelandschaft habe sich in den letzten 14 Jahren ohnehin stark gewandelt, weshalb Waldeck zu dem Ergebnis komme: „Um politisch etwas zu erreichen, brauchen wir den FSH als Organisation nicht mehr.“
Aus diesem Grund plädiert der gesamte FSH-Vorstand, der im Rahmen der Sitzung einstimmig wiedergewählt wurde, für die Abwicklung des Verbandes zum Jahresende. Die Entscheidung hierüber liegt jedoch bei den Mitgliedern. Deshalb soll im September eine außerordentliche Sitzung einberufen werden, bei der über die Auflösung abgestimmt wird. Bei dieser Versammlung, die digital abgehalten wird, gilt ein Anwesenheitsquorum von zwei Dritteln der wahlberechtigten Mitglieder. Sollte dieses verfehlt werden, würde zwei Wochen später eine weitere Versammlung folgen, bei der kein Quorum gilt. Notwendig ist eine Dreiviertelmehrheit für die Auflösung.
„Als Branche total geeint“
Naturgemäß dominierten die eher internen Themen die Mitgliederversammlung in Unterschleißheim, doch auch inhaltlich boten sich interessante Perspektiven. FSH-Justiziar Tim Hilbert unterstrich die Bedeutung der Verbandsarbeit für die Branche. „Von sich aus macht kein Politiker das Gesetz besser für uns.“ Deshalb sei die Verbandsarbeit, gerade in den Ländern, unerlässlich. Juristisch lasse sich nur punktuell etwas ausrichten. Dies gelte vor allem bei der Vergnügungssteuer, die vielen Betrieben zusetzt. Hier habe es laut Hilbert viele Klagen gegeben, die nur wenig Erfolg brachten. Auch Johanna Bergstein, Vizepräsidentin des Bundesverbands Automatenunternehmen (BA) und Mitglied des FSH-Vorstands, stellte in ihrem „Bericht vom BA“ heraus, dass sich Automatenunternehmer rechtzeitig politisch engagieren sollten, um Erhöhungen der Vergnügungssteuer abzuwenden. Hierzu habe der BA ein Strategiemodell entwickelt, das unter anderem die Mobilisierung der Aufstellerschaft vor Ort, die Sammlung wichtiger Daten und juristische Strategien umfasst.
„Mit einer Stimme zu sprechen“ sei für die Branche mit Blick auf die anstehende neue Spielverordnung das Gebot der Stunde, stellte Johanna Bergstein klar. Nur durch ein gemeinsames, professionelles Auftreten könne man die entscheidenden Themen, die im 20-Punkte-Papier zusammengefasst sind, platzieren. „Die Branche ist total geeint“, beobachtet auch Lars Rogge, Geschäftsführer im Verband der Deutschen Automatenindustrie (VDAI). Er unterstrich, wie kleinteilig der Prozess ist: „Es sind sehr viele Schritte bis zur Spielverordnung zu gehen – und bei jedem kann sich alles ändern.“ Daher sei es wichtig, die Priorität auf die Qualität des Ergebnisses zu legen: „Wir brauchen eine Spielverordnung, die möglichst gut ist. Und die dann möglichst schnell.“ Eine Verabschiedung der Spielverordnung noch in diesem Jahr hält Rogge nicht für realistisch; sie könne jedoch trotzdem 2027 in Kraft treten.
Bild: Der wiedergewählte Vorstand des Fachverbands Spielhallen (v. l.): Petra Höcketstaller (Schatzmeisterin und stellvertretende Vorsitzende), Justiziar Tim Hilbert, Dirk Fischer, Marcus Seuffert, Michael Holderer, Frank Waldeck (Vorsitzender), Andreas Braun (stellvertretender Vorsitzender) und Johanna Bergstein. Es fehlt Tobias Schneegans (stellvertretender Vorsitzender). © games & business
